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EuropaTour Teil 2

(Kommentare: 1)

Okay, bei drei rufen wir mal alle, was uns spontan zu Slowenien einfällt. Eins, zwei, drei!
...
Tja. Traurig, oder? Mir ging's bis vor Kurzem genauso. Slowenien, das war für mich immer das, wo man halt durch muss, wenn man nach Kroatien will. Ein bisschen so wie Leverkusen das ist, was immer im Weg rumsteht, wenn man nach Köln will. Selbst mein Reiseführer beginnt mit dem Satz "Lange Zeit kannte ich dieses grüne, dicht bewaldete Land nur von der Durchreise". Und "durchgereist" sind in den letzten Jahrtausenden so einige. Meistens, um sich unterwegs die Köpfe einzuschlagen: Kelten, Römer, Germanen, Österreicher, Deutsche, Italiener, sogar die Türken. Wenn die Slowenen von jedem, der ihr Land in kriegerischer Absicht durchquert hat, nen Euro verlangt hätten, wären sie heute gemachte Leute.

Dabei kann man hier weiß Gott bessere Sachen machen, als sich umzubringen: wandern, radfahren, Gibanica essen (ein Käse-Nuss-Mohn-Apfel-Kuchen-Strudel - für alle, die sich nicht so gern entscheiden) oder die Mutter aller Tropfsteinhöhlen in Postojna besuchen (das "Vivarium" daneben kann man sich dagegen schenken: Eine Ausstellung von Höhlentieren, die alle extrem lichtscheu sind und sich vorzugsweise verstecken. Ist also quasi ein Zoo für Menschen, die keine Tiere mögen).

Mein Highlight: Eine Rafting-Tour auf der Soca. Schon aus soziologischer Sicht: Zwei Deutsche, ein Libanese, eine Slowenin, ein Araber, ein Amerikaner und ein ungarischer Guide in einem Boot - da kann man einiges lernen. Der Amerikaner setzte sich gleich mal nach vorne, weil er nach eigener Auskunft "a very strong paddler" sei. Zwei Minuten später, nach der ersten Stromschnelle, lag er im Wasser und wurde vom Guide höflichst drei Plätze nach hinten komplimentiert. Währenddessen sang uns der Araber voller Stolz eine Strophe "Viva Colonia" vor. Vielleicht sollten G7-Gipfel in Zukunft in einem Rafting-Boot ausgetragen werden.

Wegen der Sprache muss man sich in Slowenien auch keine Sorgen machen, da hier selbst siebzigjährige Fleischereifachverkäuferinnen ein besseres Englisch sprechen als Günther Oettinger und Edmund Stoiber zusammen. Überhaupt: Die Menschen! Jeder Eisverkäufer, jeder Campingplatzbesitzer, jeder Polizist strahlt einen hier an, als hätte man ihm gerade einen Erstgeborenen geschenkt. Ich habe in sechs Tagen nicht einen unfreundlichen oder schlecht gelaunten Slowenen erlebt. Die einzig schlecht gelaunte Slowenin, die ich kenne ist Melania Trump - und da kann man's ja irgendwie auch verstehen.

Wenn man sich mit den Slowenen über Europa unterhält, hört man übrigens einen Satz immer wieder: "We're just a small country." Oft gefolgt von einem: "We do, what the bigger countries do." Schade. Andersrum wäre mal ne schöne Abwechslung!

P.S.: Nächster Halt: Kroatien. Wenn jemand Tipps für die Adriaküste bis runter nach Dubrovnik hat: Immer her damit!

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Kommentar von Frau Meyer |

Lieber Markus,
ich habe gerade noch zu meiner Reisebürokollegin gesagt: Ich möchte mal nach Slowenien, da habe ich Berge und Küste, quasi alles was ich für mein Urlaubsglück brauche. Dein Blogpost gibt mir Recht.
Wundert es dich, dass die Amerikaner, die sich selbst für einen "strong paddeler" halten, einen Präsidenten gewählt haben, der sich komplett selbst überschätzt? Mich nicht.

Ich werde jetzt nach und nach mit dir auf Europa-Tour gehen.
Das macht mir sogar an einem verregneten Tag total gute Laune.

:-)

P.S. Sehr cooler Test, um zu beweisen, dass man kein Roboter ist: Rechnen Sie 2 plus 3. Das kann sogar ich mit meiner Betonfünf in Mathe.

Antwort von Markus Barth

Hallo Britta!

Ich kann Slowenien gar nicht oft genug empfehlen. Da stimmt alles! Viel Spaß da!

Markus